Whats up, Crimmitschau?
Erstmals seit 2017 mussten die Eispiraten wieder in den knallharten Abstiegskampf und glitten durchaus souverän durch diesen. Ähnlich wie ein neu gekauftes Damastmesser durch… nun, zeitgemäß, müsste ich Tofu sagen?

(Foto: JMD Photographie)
Das Positive: Crimmitschau bleibt ein DEL2-Standort!
Lasst uns mit einem Gefühl beginnen. Endlich findet ihr im Trubel der Stadt eine Parklücke, setzt den Blinker und „Fuck“ - Bordstein erwischt! Schnell macht sich Panik wegen einer beschädigten Felge breit, diese verpufft mit dem erleichternden Resultat – nur den Reifen erwischt! Ein vergleichbares Szenario ist das Sinnbild der abgelaufenen Eispiraten-Saison. Die Frage ist nun: Gibt es einen Lerneffekt? Nach ziehen der Reißleine fanden die Rot-Weißen ihre alten Tugenden, erreichten beinahe noch die Pre-Playoffs und retteten den Klassenerhalt in Runde eins.
Unwort des Jahres: Baustellen!
Die Baustellen der Eispiraten waren zu klein für den Abstieg, doch zu groß für die Top-Ten. Gründe für das Verfehlen der Saisonziele sind dabei schnell gefunden. Die Kontingentspieler, eigentlich eine Paradedisziplin der Westsachsen, liefen den Erwartungen meist hinterher. Die Special-Teams waren in beiden Kategorien unterdurchschnittlich, dem Defizit beim Toreschießen konnte nie entscheidend entgegengewirkt werden. Deutsche Leistungsträger fielen in persönliche Leistungslöcher und zudem wurde der Großteil der „Heute-zählt´s-Spiele“ gegen die direkte Konkurrenz vergeigt. Zusammengenommen bildet das einen verdienten Playdown-Teilnehmer und doch wäre nichts davon unlösbar gewesen – im Gegenteil, die meisten dieser Stränge führen zum selben Punkt.
Der Rückblick: Das Tragen von Verantwortung beinhaltet, schwierige Entscheidungen zu treffen!
Unzählige Male bezogen die Verantwortlichen Stellung, standen Rede und Antwort und waren sich erschreckenderweise über die Hauptgründe der sportlichen Talfahrt im Klaren. Leider wagte man erst deutlich nach Abfahrt des berühmten Zuges die Trainerentlassung. Das Tischtuch zwischen Bazany und Mannschaft war früh zerschnitten, wurde durch professionelles Verhalten beider Parteien zusammengehalten. Wenn das ein tägliches Handeln bestimmt, können oben genannte Probleme ganz einfach nicht abgestellt werden. Sorry, liebe Geschäftsführung, das habt ihr mächtig verpennt und selbstverschuldet.
Das Team 23/24: Nichts bekannt und trotzdem Hoffnung
Das Stadion-Wirrwarr ist abgehakt, der Klassenerhalt geschafft. Nun geht es darum das Maximum aus dem Standort herauszukitzeln. Auch wenn aktuell noch keine Neuzugänge bekanntgegeben werden, sollte der Plan einer deutschen Defensivausrichtung (inkl. Torhüterposition) Mut machen und ein positives Signal sein. Es klingt beinahe so als wäre das Hauptproblem der vergangenen beiden Jahre schonungslos aufgearbeitet wurden und soll nun mit vier Kontingentstürmern beerdigt werden. Auf der Trainerbank gab es bereits eine mutige, gleichermaßen vertretbare Entscheidung und es geht mit Tuores weiter. Nach Jahren mit Gracnar und Überflieger Sharipov wäre da noch die gewichtige Torhüterfrage. Sollten sich die Gerüchte um Shilin dabei bestätigen, wäre ich beinahe geneigt von einem „Kracherchen“ zu sprechen.
Die Zielsetzung: Nicht alles so schwarzsehen!
Kurz vor Ende der abgelaufenen Saison wurde der nächste Großsponsor vorgestellt und erneut fielen Aussagen wie „gibt uns ganz neue Möglichkeiten“. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass die Mittel für Nachverpflichtungen oder aktuell die Kaderzusammenstellung limitiert sind. Neben sicheren Abgängen von Gams, Reisnecker und Sharipov wirft der Buschfunk auch Schietzold und Pohl mit in die Runde und allesamt betreffen den finanzintensiven deutschen Markt. Kommen wir zur Wende dieses Blockbusters: Hoffnung! Die meisten Fehler der jüngeren Vergangenheit scheinen lokalisiert und können dadurch ausgemerzt werden. Das Gesamtpaket „Eispiraten“ beinhaltet aktuell vor allem Chancen. Dass die Verantwortlichen beim Verpflichten von Spielern das nötige Fingerspitzengefühl haben, bewiesen sie in der Vergangenheit des Öfteren. Werden die Hausaufgaben in den kommenden Wochen lückenlos und akribisch abgearbeitet, spielt die ehemalige Tuchmacherstadt kommende Saison wieder eine bedeutsamere Rolle der DEL2.
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Erik Pannach





