Fünf Minuten wegen Meinung – NHL

Spiel eins im Stanley-Cup-Finale ist schon wieder geschafft und diese Serie bietet Potenzial Geschichte zu schreiben und den Spannungsbogen maximal auszureizen. Zwar könnten wir schon in einer Woche den Cup-Champion feiern, doch daran glaubt wirklich keiner. 

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(Foto: IMAGO - Imagn Images - Walter Tychnowicz)

Der Nowitzki-Draisaitl-Vergleich! Wie bitter war es letztes Jahr für die Oilers nach so einer Aufholjagd, am Ende doch mit leeren Händen dazustehen. Jetzt - nach einem Spiel - können wir bereits festhalten: Einen derartigen Fehlstart wird es nicht geben. Ein Hauptgrund dafür ist Leon Draisaitl. Der Kölner schoss mal eben seine beiden zwei Stanley-Cup-Final-Treffer und entschied somit das Spiel. Deutsche Eishockeyspieler mit ihm zu vergleichen ist so ungerecht wie die Anforderungen von Pete DeBoer an seinen Torhüter. Deswegen wäre es nur mal recht, den Vergleich mit dem besten deutschen Sportler, der in den Big Four in Nordamerika aktiv war, aufzumachen. Dirk Nowitzki hatte zwar nie einen Connor McDavid, musste aber auch jahrelang auf seinen ersten und einzigen Ligagewinn warten. Dieser war ausgerechnet gegen das Team, gegen das er fünf Jahre zuvor gescheitert war. Wenn Draisaitl und den Oilers die Rache gelingen sollte, würde der Nowitzki-Draisaitl-Vergleich besser passen als je zuvor. Das wäre dann eher so ein Vergleich wie Elstar und Braeburn. 

Ein Spiel ist eben ein Spiel! Doch jetzt mal richtig zum Geschehen. Es ist schwierig über die Finalserie zu urteilen, da die Sample Size noch sehr gering ist. In etwa so, wie wenn einem gerade das Essen aufgetischt wurde, man den ersten Bissen genommen hat, nur um wenige Sekunden später gefragt zu werden „und, schmeckt´s?????“. Ja, keine Ahnung, lass mich doch erstmal richtig essen und wenn es nicht schmeckt, bekommst du es schon mit. Jetzt haben wir aber schon 79:29 Minuten Eishockey gesehen und somit eine größere Stichprobe, mit der wir arbeiten können, als mit einem viel zu heißen Biss von einem Lebensmittel. Diese fast 80 Minuten Eishockey haben auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht. Diese Serie muss über sieben Spiele gehen, alles andere wäre Hexerei. Dann kommt der Faktor von drei Punkten mehr in der Hauptrunde zu tragen. Die Oilers und Panthers haben beide nicht die Sterne vom Himmel gespielt in der Hauptrunde, was auch der Grund dafür war, dass sie bisher immer auswärts ranmussten. Doch jetzt treffen sie eben aufeinander und die Hauptrunde, die für diese Teams eh nur da ist, um sich für die Playoffs zu qualifizieren, könnte das Zünglein an der Waage werden. Letztes Jahr gab es noch vier Spiele in Florida, dieses Jahr würde es vier in Edmonton geben. Am Anfang der Playoffs war mein Cup-Tipp klar auf Seiten der Panthers, doch wie sich die Oilers hinter McDavid und Draisaitl verbessert haben, verdient Hochachtung. 

GHL oder DHL! Nein, nein, nein, hier wird es jetzt nicht um den deutschen Paket- und Brief-Express-Dienst gehen. Obwohl der Name auch ziemlich aufbrausend ist – Marco Sturm. Gestern wurde offiziell bekannt geben, dass er der neue Head Coach der Boston Bruins wird. Gerade zur Unzeit für ihn, denn die Bruins begeben sich eher in den Winterschlaf statt auf die Jagd. In der nächsten Zeit muss besser früher als später der harte Rebuild angegangen werden. Außer einer der Spieler steht kurz davor einen Gretzky-Rekord zu brechen, dann ist der Top-Seat im Osten schon mal sicher. Doch das scheint nicht der Fall, deswegen muss Sturm junge Talente entwickeln. Er ist jetzt der Anfang, der möglicherweise den Grundstein für einen Stanley Cup Titel 2032 schaffen kann. In Buffalo-Jahren vielleicht dann nochmal plus zehn für die erste Playoff-Teilnahme. Nach der Verpflichtung von Sturm ist es schon der fünfte Deutsche, der dieses Jahr seine Chance in der NHL bekommt und der Erste auf der Trainerbank. Sollte jetzt noch eine Anfrage bei Stefan Ustorf reinfliegen für einen GM-Posten, hätten wir alle Plätze belegt. Jetzt kommt die NHL fast nicht mehr um Regular-Season-Games in Deutschland herum. Die NFL macht das jetzt schon längere Jahre und da gab es noch keinen deutschen Head Coach. Also entweder Umbenennung in German Hockey League, Deutsche Hockey League oder einfach NHL-Spiele in Deutschland. Deal, NHL? 
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Torben Reith