Fünf Minuten wegen Meinung – NHL
WHAT! THE! FUCK!

(Foto: IMAGO - Imagn Images - Simon Fearn)
WIESO? Kaum etwas hielt sich so lange wie Gerüchte um einen Goalie-Trade rund um die Edmonton Oilers. Dass sie es nun durchgezogen haben und der Post am Freitagnachmittag nicht irgendeine Spekulation eines Fanforums war, hat mich überrascht und extrem sauer gemacht. Wer das letzte Stanley-Cup-Finale und die Spiele der Oilers in dieser Saison gesehen hat, kommt schnell zu Erkenntnis, dass Stuart Skinner häufig hilfloser war als ein Fisch an Land. Er wird regelmäßig allein gelassen von seiner Abwehr und weist deswegen diese Saison solch bodenlose Statistiken auf. Der Skinner, der bessere Assists für den Gegner spielt, als Sidney Crosby, den gibt es nicht mehr. In den letzten beiden Jahren ist der schönste Bart der Liga zu einem Torwart gereift, der dir den Stanley Cup fangen kann. Doch es gibt in der Liga noch deutlich bessere Schlussmänner als ihn und wenn sie so einen bekommen hätten, hätte ich in der ersten Reihe gestanden und applaudiert. Der wahre Grund, warum dieser Trade einfach keinen Sinn ergibt, ist – bei allem Respekt – Tristan Jarry. Ein Mann der zu Beginn dieser Saison solide Statistiken aufweist, nicht mehr und auch nicht weniger. Mit 30 Jahren zählt er nicht mehr zu den Jungspunden der NHL, doch wenn man auf seine Playoff-Erfahrung schaut, könnte man das annehmen. Er hat nie eine Serie gewonnen und allgemein erst acht Spiele nach der Hauptrunde bestritten, davon konnte er nur zwei gewinnen. Auf diesem Feld also noch ein unerfahrenes Küken. Hinzu kommt noch, was die Geschichte perfekt absurd und dumm macht (sorry, aber ich muss es so sagen), Anfang des Jahres brauchten ihn die Penguins nicht mal mehr und setzten ihn auf die Waivers. Die Oilers hätten for free zuschnappen könnten. Klar, dafür hätten sie Platz auf der Gehaltsliste machen müssen, aber Pickard und noch einen Viertreihenspieler hätte bestimmt jemand genommen. Mit Skinner und Jarry wäre man in Edmonton besser gefahren. Jetzt verschießen sie ihre vorletzte Patrone auf einen Mann, der eine Handvoll gute Spiele gemacht hat, diese Saison. Falls die nicht sitzen sollte, wird Edmonton implodieren, McDavid weg sein und Draisaitl seine Karriere ohne Stanley Cup beenden. Einfach traurig!
NJ guckt in die Röhre – Hughes in grün muss ich mich dran gewöhnen! So schnell wird ein Trade also in den Schatten gestellt. Als es dann am Samstag in der Früh hieß, dass Quinn Hughes zu den Minnesota Wild getradet wurde sprach niemand mehr über Skinner/Jarry. Lange gerüchtet. Doch nach Minnesota, woher? Wie sehr willst du mit einem Trade klar machen, dass du für den Stanley Cup aufrüstest? Wild: Ja! Wenn ich Geld auf eine Division setzen müsste für den Cup-Gewinn, ging momentan alles auf die Central. Der Trade, ein klares Win-Win-Win-Lose-Lose-Lose-Geschäft. Hughes kommt aus Vancouver raus und kann um den Cup spielen (solange die Wild Runde eins überstehen), in Vancouver setzt der Rebuild ein und Minnesota bekommt den zweitbesten Verteidiger der Liga (wenn er fit ist). Einzig für die drei ehemaligen Wild-Jünglinge ist es stand jetzt ein Lose. Denn sie müssen eben nach Vancouver und werden die nächsten Jahre einige Spiele verlieren. Vor allem tut es mir für Marco Rossi leid. Doch aus Sicht von Minnesota musst du alles dafür tun, wenn du die Möglichkeit bekommst, so einen Spieler unter Vertrag zu nehmen. Jetzt werden die Arbeiten auf Hochtouren laufen, irgendwie einen Vertrag zu schustern, indem man Hughes behalten kann und dabei neben Kaprizov auch noch ein gutes Team auf die Beine zu stellen. Vielleicht mal in Edmonton anrufen - wobei lieber doch nicht. Apropos: So einen Trade hätte ich mir gerne von den Oilers gewünscht, wenn sie wirklich was bewegen wollten. Für Rossi bleibt mir einzig positiv zu sagen, dass du in Vancouver wenigsten auf Lukas Reichel triffst…
War’s das? So direkt in Vancouver werden sie sich erstmal nicht treffen, denn Reichel wurde auf die Waivers gepackt und muss nun in die AHL. Von Reihe zwei und 18 Minuten Eiszeit bis zur AHL in eineinhalb Monaten ist schon ein beispielloser Downfall. Die Floskel „ein Schritt zurück um zwei nach vorne zu gehen“ ist die einzige Hoffnung für ein NHL-Verbleib von Reichel über den Sommer hinaus. Letztes Jahr musste Philipp Grubauer ähnliches durchmachen und ist jetzt wieder da (auch dank eines Trainerwechsels). Die Hoffnungen sind bei Reichel deutlich geringer, zumal er weniger Zeit hat und deutlich weniger Erfahrung. Das Buch NHL scheint für Reichel ins letzte Kapitel zu gehen.
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Torben Reith





