Fünf Minuten wegen Meinung – NHL
Die Wochen ziehen ins Land und die Anarchie scheint von dannen zu ziehen – zumindest im Westen. Dort scheint der normale Rhythmus langsam wieder einzukehren. Die verrückten Drei scheinen schlagbar (und das von Nashville, wtf), Vegas steht in der Pacific Division wieder an der Spitze, gefolgt von den Oilers, und auch die Kings sind nicht allzu weit entfernt. Also doch wieder alles wie immer.

(Foto: IMAGO - Imagn Images - Brad Penner)
Kurz mal angezogen! Zack, da sind sie doch wieder: an der Spitze ihrer Division. Und dafür war gerade einmal ein eingestellter Franchise-Rekord mit elf Siegen am Stück nötig. Der Tampa Bay Lightning zeigt mal eben, warum sie eines der drei besten Teams der 20er-Jahre sind und diesen Status noch lange nicht verlieren wollen. Klar, in dieser engen Conference kannst du mit drei Niederlagen am Stück auch schnell wieder aus den Playoffs rausfliegen, doch der Lightning wirkt im Gegensatz zu beispielsweise den Bruins, Sabres oder Penguins deutlich gefestigter. Ein klares Indiz dafür ist ihr Torverhältnis, das beste der Liga ist – weil Colorado ja, wie wir alle wissen, in einer anderen Liga unterwegs ist. Die Red Wings auf dem Platz hinter Tampa kommen gerade einmal so auf ein positives Torverhältnis. Zudem konnten sie ihren Status im direkten Duell gegen die formschwachen Dallas Stars klar unterstreichen und sind nach der Avalanche das team to beat. Apropos Stars: Diese befinden sich in ihrem ersten richtigen Formtief dieser Saison und verlieren zunehmend ihren Status als Nummer zwei in der Central Division. Eben zu lange in der dirty air von Colorado gefahren, und jetzt sind die Reifen zu stark abgenutzt. Mit Blick auf die Formtabelle und im Vergleich zum Gewohnten rollen die Top Drei anscheinend Richtung Olympia aus.
Ohne dich bin ich nichts! Die MVP-Wahl dürfte in dieser Saison eine sehr leichte sein. Sollte nicht Igor Shesterkin die Hart Memorial Trophy mit nach Hause nehmen, dann weiß ich auch nicht. Klar, er hat „nur“ 34 Spiele absolviert und wahrscheinlich ist er zahlenmäßig nicht einmal der beste auf seiner Position, aber die Trophäe soll an den wertvollsten Spieler vergeben werden. Und spätestens mit seiner aktuellen Abstinenz zeigt der Goalie, wie aufgeschmissen die New York Rangers ohne ihn sind. Auch wenn der MVP-Call mit einem oder zwei Augenzwinkern zu betrachten ist, ist diese Aussage voll ernst gemeint: Kein Team ist so sehr von einem Spieler abhängig wie die Rangers von Shesterkin. Durch seinen Megavertrag ist er zwar ans Franchise gebunden, doch Titel wird er mit diesem Trümmerhaufen in naher Zukunft nicht gewinnen – geschweige denn darum spielen. Möglicherweise war er schon in den Jahren, in denen es gut lief, die Plane, die den kaputten Fernseher bedecken sollte. Was wiederum eindrucksvoll zeigt, was einen guten Torwart ausmacht und dass Shesterkin wahrscheinlich der beste Bessermacher der Liga ist – also sozusagen MBM (Most Better Maker).
Es kommt immer näher! Die Olympischen Spiele rücken näher, und somit wird die aktuelle Form jedes einzelnen Spielers umso entscheidender. Bei zwei Team-D-Abteilung-NHL-Akteuren könnte die aktuelle Form kaum besser sein. Die Loblieder auf Philipp Grubauer wurden bereits im letzten Blog gesungen, deswegen hoffen wir einfach, dass diese Form bis zu den Spielen anhält. Bei Tim Stützle bin ich mir nicht einmal sicher, ob es sich noch um Form handelt oder ob das mittlerweile einfach sein Normalzustand ist. Aus dem schmächtigen, frechen jungen Stürmer ist einer der komplettesten NHL-Angreifer geworden. Dass er das Frechsein nicht verlernt hat, konnte man beim Tor gegen die Canadiens bewundern. Zum Schluss bleibt nur noch zu sagen: Alles Gute für Leon Draisaitl und seine Familie.
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Torben Reith





