Fünf Minuten wegen Meinung – Olympische Spiele
Natürlich haben sich viele deutsche Fans andere Ergebnisse gewünscht. Und ja, natürlich haben sich einige gewünscht, dass Draisaitl, Stützle und Co. 20 Minuten pro Spiel zaubern und die deutsche Nationalmannschaft ohne Probleme ins Halbfinale schießen. Und ja, natürlich haben wir uns das im Eisblog-Team auch gewünscht, und das ist auch alles fein – solange wir immer im Hinterkopf behalten, dass andere Nationen auch Eishockey spielen können. Und das – mit Blick auf Nordamerika – in der Breite deutlich besser.

(Foto: City-Press)
Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen.
Vor nicht allzu langer Zeit haben wir bei Weltmeisterschaften nur gegen den Abstieg gespielt. Heute spielen wir in einem Best-of-the-Best-Eishockeyturnier gegen die USA stark auf, und plötzlich ist alles schlecht, nur weil an diesem Abend das Glück nicht auf unserer Seite war und wir unsere Chancen nicht genutzt haben? Eher nicht.
Wir befinden uns in einer Entwicklung.
In einer guten Entwicklung, bei der ich mich frage, ob wir an einem Punkt angekommen sind, an dem wir so stark sind, dass kleinere Nationen gegen uns mauern (müssen), wir aber noch nicht herausgefunden haben, wie wir diese Mauern durchbrechen. Und gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass wir mittlerweile mit den großen Nationen durchaus über weite Strecken einer Partie mithalten können, aber noch keine Wege gefunden haben, diese zu besiegen. Dieses Mittelding aus „wir sind weder Favorit noch Underdog“ wirkt auf mich wie eine kleine Identitätskrise, die viel Frust bringt. Denn es wirkt, als hätten wir unheimlich viel Potenzial, das wir aber einfach nicht ausnutzen. Schnell (viel zu schnell!) werden dann die Moral und Qualität der Spieler angezweifelt. Vielmehr sollten wir die neue Herausforderung annehmen, der Mannschaft bedingungslos den Rücken stärken und gemeinsam mit der Mannschaft den Weg zum nächsten Entwicklungsschritt gehen.
Also lasst uns bitte zusammenhalten. Lasst uns (individuelle) Fehler verzeihen und der gesamten Mannschaft ein gutes Gefühl für das restliche Turnier geben und sie bis zur letzten Schlusssirene supporten! Denn das haben die Jungs sich bereits verdient!
#eisishaltenzusammen
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Tim Reindl





