NHL-Playoff-Vorschau Runde 2

Da war alles drin – und das war gerade mal die erste Runde. Große Favoriten wie die Lightning und die Oilers (aka meine beiden Tipps für das Stanley-Cup-Finale) sind raus, lockere Sweeps wie die von Carolina und Colorado oder auch neue Gesichter in Runde zwei, wie die Ducks, Flyers und allen voran die Sabres. Es gilt, einiges aufzuarbeiten, also dann los.

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(Foto: IMAGO - Imagn Images - James Guillory)

Western Conference

Colorado Avalanche – Minnesota Wild
Was war…
Die Avalanche sind als klarer Favorit in die erste Runde gegen die Los Angeles Kings gegangen und sind dieser Rolle standesgemäß nachgekommen. Zwar sieht der Sweep auf dem Papier nach einem deutlichen und bitteren Karriereende für Anze Kopitar aus, jedoch war es im Detail knapper, als viele vermutet haben. Die ersten beiden Spiele gewann der Hauptrundenmeister nur mit einem Tor Unterschied, Spiel zwei zudem erst in der Overtime. Müssen wir es ihnen jetzt positiv oder negativ ankreiden? Am Ende haben sie die Spiele gezogen, auch wenn sie eng waren – und dabei fragt niemand nach dem Wie. Das ist auch die Qualität eines Spitzenteams, eines Champions.

Championswürdig ist allerdings auch ihr kommender Gegner aufgetreten. Spiel sieben war für die Serie der Minnesota Wild gegen die Dallas Stars so vorprogrammiert wie die Tagesschau um 20 Uhr. Minnesota sch… allerdings auf den Redaktionsplan und zog die Serie bereits nach Spiel sechs. Trotz eines zwischenzeitlichen 2:1-Serienrückstands ist das die reinste Klasse, wenn man bedenkt, wer der Gegner war.

Was ist …
Es ist leichter, sich an einem Strand in der Ostsee festzulegen, als bei dieser Serie. Spiel eins hat schon einmal einen Vorgeschmack darauf gegeben, was uns (hoffentlich) in den nächsten sechs Spielen erwarten wird: 15 Tore und 79 Schüsse in 60 Minuten. Es wird ein Eishockeyfest – und ist das vorgezogene Finale. Jeder weiß, was auf dem Spiel steht und vor allem, wer auf dem Eis ist.

Minnesota in 7

Vegas Golden Knights – Anaheim Ducks
Was war…
Müssen wir Vegas denselben Respekt zollen wie Minnesota, weil sie auch ein 1:2 in einen 4:2-Seriensieg gedreht haben? Nein, ganz klar nicht. Der Gegner hieß nämlich nicht Dallas Stars, sondern Utah Mammoth, die zum ersten Mal dabei waren. Nach dem 1:2 dann allerdings Spiel vier und fünf jeweils in der Overtime zu ziehen, ist auch wieder ein Faktor von Abgeklärtheit und Erfahrung. Trotzdem sind die Golden Knights mehr durch die Serie gestolpert, als souverän durchmarschiert.

Ganz anders war das bei Anaheim der Fall. Obwohl die Ducks der Außenseiter im Duell mit dem Back-to-back-Finalisten aus Edmonton waren, haben sie am Ende die Serie souverän gezogen. Natürlich lag dies auch an den großen Schwächen der Oilers, vor allem durch den deutlich geschwächten Connor McDavid und die nicht in den Griff zu bekommende bodenlose Defensive. Doch in dieses Fenster sind die Ducks mit einer Selbstverständlichkeit hineingewatschelt, wie es für ein solches Team eben nicht selbstverständlich ist.

Was ist …
Einen großen Lichtblick gab es für Vegas in der Serie – und der heißt Mitch Marner, der gerade im entscheidenden Spiel noch einmal einen Schritt gegangen ist und mit zwei Toren und drei Punkten sein Team zum Sieg geführt hat. Trotzdem glaube ich: Wenn die Ducks ihre Defensive noch ein wenig mehr in den Griff bekommen (und damit meine ich vor allem Lukas Dostals Fangquote), wird die Abgeklärtheit und Erfahrung der Golden Knights nichts ausrichten können.

Anaheim in 6

Eastern Conference

Buffalo Sabres – Montreal Canadiens
Was war …
Bei Buffalo gegen Boston kann man sich recht kurz halten. War es je knapp für die Comebacker? Eigentlich nicht. Boston gewinnt am Ende keines seiner drei Heimspiele. Ist das jetzt wieder positiv für Buffalo anzurechnen? Auf jeden Fall sollten wir das im Auge behalten. Dazu kommt der Step-up von Buffalo-Goalie Alex Lyon, der sich in der Serie zu einer echten Wand entwickelt hat.

Eine Wand war in Spiel sieben auch Canadiens-Schlussmann Jakub Dobes mit 28 Paraden und nur einem Gegentor. Das machte es erst möglich, dass Montreal mit 9 (!) Schüssen das Spiel und damit auch die Serie ziehen konnte. Dass die Serie auf Messers Schneide sein würde, war zu erwarten – und wir wurden nicht enttäuscht. Jedes Spiel ist mit einem Tor Unterschied entschieden worden, davon vier in der Overtime. WTF! Kann man da noch auf einzelne Faktoren eingehen? Ich glaube nicht.

Am Ende steht das glücklichere, das willensstärkere Team in Runde zwei. Und zum ersten Mal seit 2019 ist kein Team aus Florida im Stanley-Cup-Finale – und die Canadiens halten das Ahornblatt hoch.

Was ist …
Das Team der Sabres hat bereits jetzt Geschichte geschrieben, und die Canadiens haben jetzt erst Blut geleckt. Trotzdem wissen die Sabres noch gar nicht, wie sich richtige Playoffs anfühlen, während Montreal schon die geballte Ladung abbekommen hat. Der Auswärtsvorteil wird zudem im Centre Bell nicht so sehr greifen wie im TD Garden.

Dieser Kampf war nicht dafür da, um eine Runde später auszuscheiden. Ich bleibe bei meinem Call und sage, dass die Canadiens bis ins Finale gehen werden.

Montreal in 6

Carolina Hurricanes – Philadelphia Flyers
Was war …
Das war am Ende doch ein enttäuschender Auftritt der Ottawa Senators – und damit war es schneller vorbei, als es überhaupt angefangen hatte. In der Vorschau auf die erste Runde sagte ich, dass für Carolina Schlussmann Bussi der X-Faktor sein wird. Er ist sogar so ein großer Faktor, dass er bisher gar nicht zum Einsatz kam.

Freddy Andersen ist der bisher beste Goalie dieser Playoffs: fünf Spiele, fünf Siege, 0,9 Gegentore pro Spiel und eine Fangquote von 96,1 Prozent. Wo kommt er jetzt bitte her? Gerade mal fünf Gegentore haben die Canes in den vier Spielen gegen die Sens kassiert. Die Mauer ist hochgezogen.

Die märchenhafte Saison der Penguins sollte im „Derby“ dann also ein Ende finden. Auch die Flyers kamen in ihrer ersten Serie vor allem über eine gute Defensive und einen guten Goalie, der dort bereits zwei Shutouts einfahren durfte. Trotzdem ließen sie Pittsburgh nach einem 3:0 noch auf 3:2 herankommen und haben Spiel sechs erst in der Overtime gezogen. Souveränität sieht da schon anders aus.

Was ist …
Auch hier ist bereits ein Spiel gespielt, und es hat einen klaren Vorgeschmack geliefert, was uns in der Serie erwarten wird: ein souveränes 3:0 für Carolina. Beide Teams haben in der ersten Serie ähnliche Qualitäten gezeigt – defensiv stark, verteiltes Scoring, gute Goalies. Doch am Ende sind die Canes dort überall eine Stufe besser.

Die Flyers sind diese Saison so hoch geflogen, wie sie nur konnten – und werden jetzt in den Hurrikan gezogen oder an der Sonne verbrennen. Ihr dürft euch eine Metapher aussuchen.

Carolina in 4
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Torben Reith