Fünf Minuten wegen Meinung – NHL
Der Hall der Glocke für die letzte Runde ist schon längst verschallt, wir befinden uns auf der Zielgeraden – auf den letzten Metern. Die Hauptrunde 2025/2026 ist so gut wie in den Büchern und beinahe alle Entscheidungen sind gefallen. Die Playoffs können also kommen, doch erst einmal muss noch ein wenig Aufarbeitung geleistet werden.

(Foto: IMAGO - Imagn Images - Kevin Ng)
Knapp daneben ist auch vorbei! Während ich letzte Woche Toronto zum Loserteam der NHL ernannt habe, muss ich diese Woche noch einen weiteren Topanwärter auf diesen Titel erwähnen. Zum zehnten Mal in Folge finden die NHL-Playoffs ohne die Detroit Red Wings statt. Die Gründe dafür sind schnell gefunden: Wem hintenheraus so die Luft ausgeht, der hat sich die Teilnahme schlichtweg nicht verdient.
Ein wenig erinnerten die Red Wings an Lightning McQueen im ersten Cars-Teil. Ohne Reifenwechsel hatten sie lange Zeit einen komfortablen Vorsprung, doch dann platzen eben die Reifen und das Verfolgerfeld kommt immer näher. McQueen konnte sich noch ins Ziel retten – Detroit nicht.
An einer Person lag es sicherlich nicht: Mr. Ich-spiele-immer, aka Moritz Seider. Der neue Rekord für die meisten NHL-Spiele von Beginn der Karriere an sowie sein Fünf-Punkte-Spiel sprechen in diesem Fall eine deutliche Sprache. Jedoch fehlt den Red Wings immer noch das gewisse Etwas. Sonst hätten sie bereits 2023/24 Playoffs gespielt und wären auch diese Saison nicht gescheitert – auch wenn es dieses Jahr undankbar war, im Osten Hauptrunde zu spielen.
Jetzt müssten sie kleinere Stellschrauben am Kader verändern und dabei auch vor keinem großen Namen Halt machen. Doch die meisten Topstars sind noch lange gebunden und dann ist da auch wieder das Problem mit Vereinsikonen auf internen Positionen – du kannst sie nicht anzweifeln. Steve Yzerman hat einiges geschaffen in Detroit, doch solange der letzte Schritt nicht kommt, ist er letztlich immer wieder gescheitert. Und wie oft darf eine Legende scheitern?
Mephisto hat einen kürzeren Hebel! Dass mit Vereinsikonen nicht immer sanft umgegangen wird, zeigte unter der Woche das Beispiel der New Jersey Devils. General Manager Tom Fitzgerald wurde aus der Hölle verbannt – und das, obwohl er seit 2015 im Verein tätig war und knapp fünf Jahre später die Zügel als GM in die Hand nahm.
Ein wirklicher Cup-Contender waren die Devils in dieser Zeit nie. Entweder war die Playoff-Marke oder die Hurricanes der entscheidende Stolperstein. Ob sich jetzt etwas ändert, bleibt abzuwarten, denn der Kader ist primär gut – nur eben nicht angsteinflößend. Und so etwas will ein Teufel ja mal gar nicht hören.
Wohl eher Seattle Thunfisch! Ebenso wenig angsteinflößend ist Seattle Kraken. Seit ihrem Ligaeintritt kamen sie nur einmal in die Playoffs und scheiterten meist krachend. Wären die Golden Knights nicht da, wäre das alles nicht so schlimm, doch Vegas ist wie ein Streber, der alles perfekt vormacht, und Seattle sitzt mit seiner 4- da und muss sich fragen: „Warum schafft es der Goldi, aber nicht du?“
Ähnlich wie Detroit mit einem platten Reifen hat auch Kraken hintenheraus die Luft verloren. Doch hierbei ist es nicht auf fehlende Erfahrung oder einfach „Schiss in de Buxe“ zurückzuführen, sondern auf einen schlichtweg nicht guten Kader.
Während der Streber Vegas stets einen Top-Kader zur Verfügung hatte – dafür zwar ohne Draftpicks –, verpassten sie seit ihrem Eintritt 2017 aber auch nur einmal die Playoffs. Wenn jemand „Golden Knights“ sagt, dann schlottern den anderen Teams in der Liga die Knie. Beim Kraken kommt eher ein laues: „Mää.“
Einzig positiv war diese Saison, dass sie noch lange um die Playoffs spielen konnten. Während Platz 21 und 26 schon ausgeschieden waren, durfte Seattle als 27./28. der Liga noch hoffen. Das ist auch ein Grund zur Freude für den Sommer, denn die Draftlotterie-Position ist damit gar nicht so schlecht.
Übrigens ist es belastend, dass Platz 14 der Liga bereits sicher ausgeschieden ist, während Platz 15, 17 und 18 fix in den Playoffs stehen. Platz 12 und 13 werden zudem ebenfalls noch ausscheiden und Platz 19 sowie 20 in die Playoffs kommen. Das wirkt auf mich nicht gerecht – genau wie das Playoff-System an sich. Aber dafür ist jetzt kein Platz mehr (genauso wenig wie für die Red Wings in den Playoffs – sorry, ich will euch doch auch dabeihaben).
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Torben Reith





