Interview mit Arno Tiefensee
Der Weg eines Profisportlers verläuft selten geradlinig. Für den deutschen Torhüter Arno Tiefensee gilt das in besonderem Maße. Der 22-Jährige arbeitet derzeit in Nordamerika hart an seinem nächsten Karriereschritt – und musste gleichzeitig privat einen schweren Verlust verkraften. Im Gespräch spricht Tiefensee über schwierige Monate, seine sportliche Entwicklung in Nordamerika, mögliche Perspektiven mit der Nationalmannschaft und seinen Blick auf die PENNY DEL.

(Foto: Andy Nietupski / TTL Sports Media)
Ein schweres Jahr – und wichtige Unterstützung
Das vergangene Jahr war für Tiefensee persönlich alles andere als einfach. Der Tod seines Vaters hat den jungen Torhüter tief getroffen. Dennoch versucht er, Schritt für Schritt wieder Stabilität in seinen Alltag zu bringen. „Es ist natürlich nicht einfach“, sagt Tiefensee offen. „Aber meine Familie und die Organisation von Dallas helfen mir sehr viel dabei. Außerdem rede ich regelmäßig mit einem Psychologen – das tut mir, finde ich, auch sehr gut.“ Gerade im Profisport wird mentale Stärke oft als selbstverständlich angesehen. Tiefensee spricht das Thema bewusst an – und zeigt damit, wie wichtig professionelle Unterstützung auch abseits des Eises sein kann.
Fokus auf Dallas statt Nationalmannschaft
Sportlich steht für den Goalie aktuell die Entwicklung in Nordamerika im Mittelpunkt. Eine mögliche Teilnahme an der Eishockey-Weltmeisterschaft 2026 in der Schweiz ist deshalb momentan kein Thema. „Da hatte ich noch keinen Kontakt mit Harry“, erklärt Tiefensee mit Blick auf Bundestrainer Harold Kreis. „Ich will mich erstmal auf die Aufgabe hier fokussieren und so weit wie möglich in den Playoffs kommen.“ Der Fokus liegt also klar auf seiner Rolle im System der Dallas Stars, die ihn vor einigen Jahren gedraftet haben und weiterhin auf seine Entwicklung setzen.
Der Weg durch ECHL und AHL
Der junge Torhüter arbeitet sich derzeit durch das nordamerikanische Farmteam-System. Nach dem Saisonstart in der ECHL gelang ihm der Sprung in die AHL, wo er beim Farmteam Texas Stars wichtige Spielpraxis sammelte. Tiefensee sieht seine Entwicklung dabei realistisch. „Es ist okay, aber in letzter Zeit bin ich ein wenig von meinem Spiel weggekommen und die Resultate waren dementsprechend“, erklärt er ehrlich. „Ich werde jetzt erstmal wieder ein paar Spiele in der ECHL machen, um Selbstvertrauen zu bekommen und dann hoffentlich wieder konstant gute Leistungen in Austin (AHL, Anm. d. Red.) bringen zu können.“ Diese Offenheit zeigt auch, wie anspruchsvoll der Weg zum etablierten Profi in Übersee ist. Viele junge Spieler pendeln zwischen verschiedenen Ligen, um Spielpraxis zu sammeln und sich weiterzuentwickeln.
Vertrag in Dallas läuft weiter
Sicherheit gibt Tiefensee zumindest sein Arbeitspapier: Auch für die kommende Saison steht er weiterhin bei den Dallas Stars unter Vertrag. Eine wichtige Grundlage, um sich langfristig im System der Organisation zu etablieren und möglicherweise irgendwann den nächsten Schritt Richtung NHL zu machen.
Rückkehr in die PENNY DEL? Tiefensee bleibt gelassen
Bevor er in die Stars-Organisation wechselte, spielte Tiefensee in Deutschland für die Adler Mannheim, wo er bereits als junges Talent auf sich aufmerksam machte. Ob er eines Tages wieder in die PENNY DEL zurückkehren könnte, lässt er offen. „Darüber mache ich mir noch gar keine Gedanken“, sagt er. „Ich schaue einfach von Tag zu Tag – und was später kommt, das kommt dann später.“ Ein Satz, der gut zu seiner aktuellen Situation passt: Der Fokus liegt ganz klar auf der Gegenwart und der eigenen Entwicklung.
Blick in die PENNY DEL: Mannheim als Meistertipp
Trotz seines Engagements in Nordamerika verfolgt Tiefensee die deutsche Liga weiterhin aufmerksam. „Ich schaue mir fast alle Highlights von den Spielen an“, erzählt er. Auf die Frage nach seinem Meistertipp muss er nicht lange überlegen. Seine Prognose: Adler Mannheim. Damit setzt er auf seinen ehemaligen Klub – und zeigt gleichzeitig, dass die Verbindung zur ersten Profistation weiterhin stark vorhanden ist.
Geduld, Arbeit und Perspektive
Arno Tiefensee steht noch am Anfang seiner Karriere, hat aber bereits einige wichtige Erfahrungen gesammelt – auf und neben dem Eis. Zwischen persönlicher Stärke, harter Arbeit und dem langfristigen Traum von der NHL arbeitet der junge Torhüter Schritt für Schritt an seiner Zukunft. Und auch wenn der Weg manchmal Umwege nimmt, scheint Tiefensee genau zu wissen, worauf es ankommt: Geduld, Vertrauen in den eigenen Weg – und die richtigen Menschen an seiner Seite.
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Max Ostermaier





