Quebec Coyotes
Es war der entscheidendste Tag in der Geschichte der seit 1996 bestehenden Phoenix bzw. Arizona Coyotes. Vor wenigen Stunden fand ein Bürgerentscheid statt, ob das neue Arenaprojekt umgesetzt wird. Die Ergebnisse: erschütternd!

(Foto: Screenshot Twitter)
Ich hatte einen vergleichsweise behäbigen Start in den Tag. Hier in Bayern regnet es seit Tagen aus Kübeln, ich bin ein Sonnenmensch und will endlich wieder draußen Radfahren und laufen ohne, dass ich danach aussehe wie ein begossener Pudel. Also scrolle ich erstmal ein bisschen durch Twitter. Clayton Keller twitterte ein niedergeschlagenes Emoji. Ich erinnere mich: Bürgerentscheid. Uff. Ich höre auf mich und das Wetter zu bemitleiden und fühle mich in die Rolle von Clayton Keller, dessen Herz an den Coyotes hängt. Ein Perspektivwechsel, der aufrüttelt.
Lasst mich erklären. Die Arizona Coyotes spielen aktuell in der Mullett Arena. Einem Stadion, das der NHL mit seinen 4500 Plätzen nicht würdig ist. Diese Spielstätte sollte nur eine Übergangslösung bis maximal 2026 sein bis das Neubau-Stadionprojekt genau zwei Meilen westlich fertiggestellt ist. Über eben jenen Neubau entschieden nun die Bürgerinnen und Bürger von Tempe, also der Stadt, in der der 2,21 Milliarden schwere neue Sportkomplex entstehen soll. Die Ergebnisse des Bürgerentscheids sind sowohl überraschend als auch verheerend: Mit 56% bzw. 57% setzen sich die Gegner des Projekts in den verschiedenen Punkten durch. Die neue Arena ist demnach vom Tisch.
Bereits in den letzten Wochen wurde die Abstimmung in Tempe heiß diskutiert. Wie jedes politische Thema in den Vereingten Staaten eben. Das ging soweit, dass sogar der General Manager der Coyotes von Haustür zu Haustür lief, um die Bewohner*innen Tempes von den Vorteilen des neuen Komplexes zu überzeugen. Doch eines muss zur ganzheitlichen Darstellung auch gesagt werden: Die Coyotes haben laut validen amerikanischen Quellen weniger als 250.000 Dollar investiert, um ihre Pros für das Projekt darzulegen. Die Gegenseite mindestens das Achtfache.
Vielleicht war man sich (zu) sicher im Lager des „Tempe wins“-Teams. Das neue Sportkomplex hätte 6900 Jobs geschaffen und in den nächsten 30 Jahren Steuervorteile von 215 Milliarden Dollar gebracht. Zudem wäre der Neubau nicht von öffentlichen Geldern finanziert worden, sondern komplett privat. Was spräche also dagegen? Die Gegenseite äußerte, dass die Steuerzahlenden sehr wohl Kosten tragen müssten. Rund 240 Millionen für Infrastruktur. Eigentlich ein Tropfen auf dem heißen Wüstenstein.
Wenn ihr die Blogs hier verfolgt wisst ihr, dass ich und eigentlich das gesamte Eisblog-Team kein Fan der Franchise in Arizona sind. Meiner Meinung nach wurde dort in den letzten Jahren nicht die beste Arbeit geleistet. Dieses Voting ist dennoch ein Schlag ins Gesicht. Vor allem für die Eishockeyfans in Tempe, Arizona. Und offensichtlich auch für Jungs wie Clayton Keller, wenn wir uns an den Ausgangstweet erinnern.
Wie geht´s nun also weiter? Am Statement des sichtlich niedergeschlagenen Coyotes-CEO Xavier A. Gutierrez merkte man, welch gravierende Auswirkungen das Voting für die Franchise haben wird. Die Coyotes werden mit großer Wahrscheinlichkeit „relocated“ werden. Also auf gut deutsch gesagt: in Arizona eingestampft und woanders wiederaufgebaut. Die wahrscheinlichsten Kandidaten für den neuen Standort sind Houston, Salt Lake City und Kansas, die allesamt in die Central Division passen würden. Alternativ wurde in den letzen Jahren unter anderem auch immer wieder mit Sacrameto, Atlanta und Quebec gesprochen.
Der wichtigste Tag der Franchise-Geschichte wurde zum schwärzesten Tag. Persönlich sehe ich in der Relocation auch eine Chance für die NHL. Gerade für die leidenschaftlich kämpfenden Menschen in und um Tempe ist aber auch ein weinendes Auge dabei.
_
Simon Rentel





