Und jetzt?

Der Draft ist vorbei, die ganz großen Überraschungen und Trades, mit denen viele gerechnet haben, sind ausgeblieben. Auch aus Deutschland wurden drei Spieler von NHL-Teams ausgewählt. Doch was bedeutet das jetzt überhaupt für die Spieler und ihre Teams in Deutschland?

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(Foto: City-Press)

Wird ein Spieler gedrafted, hat ihr Team zwei Jahre lang die Rechte an ihm. Bedeutet, dass in diesem Zeitraum nur dieses Team den Spieler unter Vertrag nehmen darf. Verstreichen diese zwei Jahre wird der Spieler zum UFA (Unrestricted Free Agent) und jedes Team darf ihn unter Vertrag nehmen. Von diesem Zeitpunkt sind unsere drei deutschen Prospects jedoch noch weit entfernt.

Für sie geht es jetzt voraussichtlich zu den Prospect Camps ihrer Teams, eine Art Trainingslager für die jungen Spieler innerhalb der Organisation. Für Bicker geht es nach Detroit, für Tiefensee nach Dallas und für Panocha nach Buffalo. Dort können sie sich den Coaches ihrer Franchise aus nächster Nähe präsentieren.

Jetzt kommen ihre Teams in der DEL ins Spiel. Nehmen wir mal Kevin Bicker als Beispiel, die Ausgangssituation für alle drei Spieler ist nämlich sehr ähnlich. Bicker steht für die kommende Saison bei den Löwen Frankfurt unter Vertrag. Dieser Vertrag behält selbstverständlich erstmal seine Gültigkeit. Die Entwicklung von Bicker wird so in Zukunft in enger Zusammenarbeit von den Löwen und Red Wings beobachtet. Gemeinsam wird entschieden, was für den Spieler das Beste für die nächste Saison ist. DEL oder doch der Schritt nach Nordamerika?

Überzeugt Bicker die Coaches in Detroit ist es gut möglich, dass sie ihn lieber bei sich im Farmsystem (jedes NHL-Team hat zugehörige Teams in unteren Ligen, sozusagen "zweite Mannschaften") haben möchten. Die Löwen hätten im Falle Bicker aufgrund seines bestehenden Vertrags definitiv ein Mitspracherecht. Sollten sich die Red Wings, sowie Bicker selbst, für den Schritt nach Nordamerika entscheiden, ist es eher unüblich, dass der DEL-Verein seinem Spieler Steine in den Weg legt.

Der Weg der drei Spieler in die NHL ist sicherlich weiter als er es beispielsweise für Stützle, Seider oder Peterka war. Ich würde daher stark davon ausgehen, dass alle drei Spieler, ganz gemäß ihrer Verträge in Deutschland, in der DEL auflaufen werden. Eben genau wie letzte Saison die beiden Münchener Lutz und Szuber. So wäre die einzige Konsequenz für die Löwen, Adler und Eisbären, dass ihre drei Youngster eventuell einen Teil der Saisonvorbereitung mit ihren Teams verpassen würden. Eine Weile unter NHL-Coaches zu trainieren ist aber sicherlich auch nicht die schlechteste Vorbereitung auf die neue Spielzeit.

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Paul Modebach